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Rothaus RiderMan 2009
Siegfried Weiß
Das gibt es nicht alle Tage, ein Handbikerennen über 57,6 Km mit über 600 Höhenmetern.

30.08.2009 - Man kennt ähnliche oder schlimmere Streckenprofile aus dem Training, aber unter Rennbedingungen, an den Anstiegen mit der Konkurrenz vor einem oder im Nacken, den eigenen gewohnten Berg-Rhythmus zu finden, ist etwas völlig anderes. Vor allem die Höhenmeter dürften es gewesen sein, die den einen oder anderen Akteur davon abhielten sich anzumelden. So standen schließlich „nur“ 11 mutige Handbiker am Start, darunter mit Therese Huser aus der Schweiz auch eine tapfere weibliche Akteurin. Im Vergleich mit anderen Rennen, war der Riderman das anspruchsvollste Rennen der mir in Europa bekannten Rennen. Konnte ich in den letzten 5 Jahren sämtliche Rennen bis auf 1x Colmar-Berg in Luxembourg, mit dem großen Kettenblatt durchfahren, war für den Riderman die Kombination 50/34 oben und 11/34 unten notwendig, mit 170mm Kurbellänge bei 36cm Kurbelbreite.

Der Glatteiswarner im PKW meldet sich ab 3 Grad Außentemperatur, so auch kurz vor Bad Dürrheim, ca. 2 ½ Stunden vor dem Start und das am 30. August. Bis zum Start wurden die Temperaturen erträglicher, dennoch fror man und konnte es kaum erwarten sich am ersten Anstieg warm zu fahren.

Mit 2 Minuten Abstand erfolgte der Start nach den Hobbyradfahrern. Mit über 45 Km/h ging es zunächst einmal gemütlich leicht bergab, dann links auf die Landstraße und mit 8-10 Km/h die ersten 80 Höhenmeter bergauf, dann scharfkurvig und holprig kurz bergab um dann mit Schwung die nächsten Höhenmeter zu absolvieren. Zum Vergleich: Bereits nach ca. 13 Minuten hatte man die Gesamthöhenmeter vom Hochgeschwindigkeitskurs des Heidelberg Maximarathons überschritten. Noch wurde taktiert, die Führung wechselte ständig, bis es Josef Michelberger nach ca. 30 Minuten zu bunt wurde und fortan er das Tempo bestimmte, das an einem über 3 Km langen Anstieg nur Markolf Neuske mitgehen konnte. In der Verfolgung und Anfangs in Sichtweite Michael Reuss und ich (Siegfried Weiß d.Red.). Reuss fällt zurück, ebenso Neuske, der Michelberger ziehen lassen muss. Michelberger hat seinen Rhythmus, sein Tempo gefunden, entschwindet am Horizont und deklassiert das Feld. Während die Verfolger kurz vor Rennende noch in der Hoffnung schwelgten, Michelberger möge sich übernommen haben und einbrechen, saß dieser bereits als Sieger gut gelaunt im Rollstuhl.

Nachdem mir zum 4. Mal nach 36 Km beim schalten mit dem Umwerfer die Kette herunter springt und ich an einem Anstieg zum stehen komme, scheint der 2.Platz für Markolf Neuske gesichert. Zu meiner Überaschung muss Neuske dem Tempo Tribut zollen und wird, obwohl schon zeitweise außer Sichtweise entschwunden, ca. 1 Km vor dem Ziel von mir ein,- und überholt. In der weiteren Verfolgung muss der stark fahrende Hans-Theo Wendland auf der Zielgeraden dem Anfangs sehr stark fahrenden Michael Reuss passieren lassen. Hans-Albert Werkmann brach eine Halterung der Rückenlehne und musste als Schlusslicht dem Feld hinterherfahren. Vielleicht war es die Vorahnung auf einen Defekt, die Werkmann dazu bewog als einziger Feld mit Sicherheitsfahne zu starten. Auch die restlichen nicht genannten Starter lieferten auf der mehr als anspruchsvollen Strecke eine respektable Leistung ab.

Fazit: Probleme und Schwierigkeiten gab es weniger mit dem Streckenprofil, als mit der Streckenbeschaffenheit. Das Rennen fand größtenteils auf maroden Rad- und Feldwegen statt, abschnittsweise in holpriger Betonausführung, teilweise extrem scharfkurvig mit darauf folgenden saftigen Anstiegen, die teilweise erst nach der Kurve einsehbar waren. Gefragt waren neben einem stabilen Handbike eine gute Bremsverzögerung und ein tadellos funktionierender schnell schaltender Umwerfer, der bei den vielen Auf- und Abfahrten Schwerstarbeit zu leisten hatte. Gefährlich die steilen Abfahrten auf holprigen Feldwegen, auf denen immerhin Geschwindigkeiten von bis zu 77 Km/h erzielt wurden, um dann in der Senke vor scharfen Kurven angekommen auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen zu müssen. Mehr Straße hätte dem Rennen gut getan, auch wenn mehr Höhenmeter oder bei längerer Strecke. Vielleicht im nächsten Jahr?? Persönliche Renndaten: Zeit: 2.15,44 Std. für 57,5 Km, Schnitt: 25,4 Km/h, 630 Höhenmeter, Durchschnitt Herzfrequenz: 87%, Max.Hf 97%,