Tag 1:
Unsere Sportler vom Team Sopur wurden mit viel Applaus und sehr emotional von der gesamten Belegschaft im Werk von Sunrise Medical im badischen Malsch verabschiedet. Alle wünschten uns natürlich viel Erfolg beim „2nd Al-Ain International Wheelchair & Handbike Meeting“ und viel Spaß bei unserem 10-tägigen Trainingscamp in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Am Flughafen Frankfurt/Main staunte das Personal der Fluggesellschaft nicht schlecht über unser Sport-Team. Eine komplette Sportmannschaft hatten sie bisher selten gehabt. Die Gepäckträger taten uns fast schon leid, als sie mit großen Augen auf unsere riesigen Kisten sahen, in denen unsere Handbikes samt Werkzeug und Ersatzteilen verstaut waren. Besonderer Service: Wir durften unsere Rollstühle mit an Bord nehmen, die dann zerlegt von dem wirklich sehr hilfsbereiten Personal in den Gepäckfächern verstaut wurden. Kurz vor der Ankunft in Abu Dhabi wünschte uns sogar der Flugkapitän noch viel Erfolg beim Rennen. Nach einer spannenden, fast 2-stündigen Fahrt mit Minibussen über leere Highways kamen wir endlich im Trainingslager Al-Ain an. Nachdem alles ausgeladen und in unseren Chalets gelagert war, durften wir endlich gegen 04:00 Uhr Ortszeit morgens todmüde ins Bett fallen. Wir waren schon sehr gespannt, was der 1. Tag bringt. Sopur lässt seine besten Pferde aus dem Stall…
Tag 2:
Die Pferde sind endlich auf der Rennbahn. Nervös wurden wir endlich auf die Rennbahn gelassen. In zwei kleinen Einheiten zu jeweils 1 Stunde konnten wir die Rennstrecke vom kommenden Samstag abfahren. Für uns war Tag 1 vor allem wichtig, um unsere Materialien zu testen und die Strecke zu erkunden. Interessant war natürlich auch für uns, welche Konkurrenz war dabei? Und wer von den Fahrerinnen und Fahrern hat was drauf? Insgesamt waren etwa 30 Rennrollstuhlfahrer auf der Piste – davon der überwiegende Teil aus China, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten – sowie 20 Handbiker. Richtig beeindruckt waren wir natürlich alle vor allem von der Umgebung. Und wer darf schon im Januar mit Polizeieskorte auf superschnellen Straßen bei 28 Grad die Sonne und die beeindruckende Wüstenlandschaft der Oase genießen.
Tag 3:
Morgen ist nun das große Rennen hier in Al-Ain. Und heute mussten wir noch ein wenig leiden für unsere Leidenschaft. Unsere arabischen Freunde aus dem Organisationskomitee fragten uns gleich mehrmals, ob wir allen Ernstes bei diesem Wetter unser letztes Trainingsrennen vor dem großen Tag absolvieren wollen. Aber so sind wir Sportverrückten nun mal… Morgens justierten wir noch einmal kleinere Feinheiten an den Handbikes und durften danach im Minibuss – unseren Fahrer mit dem Schumacher-Fahrstil kannten wir schon vom Flughafen – die Rennstrecke abfahren. Die Organisatoren zeigten uns dabei die markanten Punkte und den Streckenverlauf. Mittags durften wir dann ein letztes Mal mit unseren Handbikes zum Training auf die Straße, natürlich wieder mit der obligatorischen Polizeibegleitung und Absperrungen an jeder Kreuzung. Irgendwie fühlt man sich dabei doch ein bisschen wie ein Star. Mit dabei waren auch einige Chinesen und ein paar Thailänder mit ihren Rennrollstühlen, die nach ihren 10 Kilometern schleunigst wieder zurück ins Hotel fuhren. Wir Handbiker – darunter Franzosen, Tschechen, Slowaken, Schweizer und Polen – fuhren die Halbmarathonstrecke voll ab. Spätestens nach 3 Kilometern merkten wir schnell, was unsere arabischen Freunde mit „diesem Wetter“ meinten. Bei „nur“ 18 Grad tobte inzwischen ein Sandsturm allererster Güte und fegte den Wüstensand nicht nur quer über die Straßen, sondern uns auch ins Gesicht. Es war teilweise der reinste Blindflug. Die Chinesen waren wohl ziemlich froh, dass sie nur die halbe Strecke fahren mussten! Na ja, aber es hat sich für uns trotzdem gelohnt. Denn jetzt kennen wir die Strecke. Und unser Material ist auch in Ordnung. Und den Sand kann man schließlich unter der Dusche aus den Ohren waschen. Jedenfalls meinte Ali vom Organisationskomitee fast schon tröstend, dass beim morgigen Rennen längst wieder die Sonne scheint. Abends verzogen wir uns dann in unser geheimes Besprechungszimmer und klärten letzte technische und taktische Details. Verraten wird an dieser Stelle natürlich nix. Und das Ergebnis seht ihr ja dann morgen…
Tag 4:
Heute morgen kam beim Duschen immer noch etwas Wüstensand aus den Haaren. Die Trainingsfahrt von gestern mit dem nicht bestellten Sandsturm hat doch ihre Spuren hinterlassen. Heute morgen gingen wir es ganz ruhig an, denn das Rennen sollte erst mittags um 16:15 Uhr Ortszeit starten – da ist es dann übrigens zu Hause in Deutschland 13:15 Uhr. Deshalb nutzten wir die Gelegenheit, um uns mit dem chinesischen Team der Rennrollstuhlfahrer bekannt zu machen. Schließlich sind das ja unsere Gastgeber für die kommenden Paralympics im Sommer in Peking. Wie das so ist im Reich der Mitte, man tauscht erst einmal viel höfliches Kopfnicken und Händeschütteln aus und danach Gastgeschenke. Die chinesischen Sportlerinnen waren von Dirks Körpergröße dermaßen beeindruckt, dass sie sich gleich zusammen mit ihm fotografieren ließen. Danach kam noch einer der 2 Handbiker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bei uns vorbei und wollte mal ein Sopur-Handbike ausprobieren. Was er auch mit sichtlichem Vergnügen tat. Später beim Rennen trafen wir ihn natürlich wieder, aber (noch) mit seinem alten Handbike. Wer weiß, vielleicht wächst uns da ja demnächst noch Konkurrenz heran…
Bevor das Rennen losging, hatten wir bei einer intensiven Teambesprechung eine Strategie entwickelt, die schließlich in Klasse B und C zum Erfolg führen sollte. Vico Merklein und Thomas Lange wurden in Klasse C von Bernd Ziegler in Position gefahren. Schon nach ganz kurzer Zeit und nach geringer Gegenwehr des übrigen Feldes führten die beiden ihr eigenes Rennen durch. Ihr Ziel war es von da an, durch gegenseitiges Wechseln der Führungsposition eine überragende Zeit zu fahren. Das gelang Vico auch mit 33:05. Die Durchschnittgeschwindigkeit lag übrigens bei 38,5 km/h. Wahnsinn!
In Klasse B ergab sich ein völlig anderes Bild. Mit Oliver Allgeier haben wir einen hochmotivierten, aber nicht gerade rennerfahrenen Fahrer. Da sah unsere Taktik so aus, dass wir Ollie trotz mangelnder Wettkampferfahrung und wetterbedingtem Minimaltraining (= ist es zu Hause eigentlich immer noch so kalt?) in die Preisgelder fahren wollten. Und dafür musste er im schlechtesten Fall nur Fünfter werden. Heinz Frei, Patrick Moyses, Winnie Sigg und Markus Pilz nahmen also Ollie in ihre Mitte, schirmten ihn gegen die anderen ab und so konnte Ollie seine Wunschgeschwindigkeit fahren. Förmlich beseelt davon, 4 Weltklasseathleten um sich zu haben, wuchs Ollie über sich hinaus. Selbst ein falscher Abzweig mit Umkehrfolge konnte diesen Fünfer-Express nicht stoppen. Und Reserven waren immer noch genügend vorhanden. Kaum zu glauben, was für Folgen warme Temperaturen und verhüllte Frauengesichter für Ollie haben können. Unsere Taktik ging auf und Ollie wurde tatsächlich Fünfter. Legendär!
Auch in Klasse A tat sich was. Torben Bröer musste den WM-Zweiten, Alain Quittet aus Frankreich, bezwingen. Inspiriert und ausgestattet mit dem Vertrauen des gesamten Teams gelang ihm das auch mit Bravour. Gleich nach dem Start ließ Torben seinen schärfsten Konkurrenten Alain förmlich stehen und zog einfach davon. Im Hinblick auf sein Selbstvertrauen – schließlich dauert es bekanntlich nicht mehr lange bis Peking – war das eine weitere wichtige Erfahrung für ihn. Extraklasse!
Bei der anschließenden Siegerehrung gab’s für uns noch einmal ein echtes Highlight: Der junge Scheich Zayed Bin Hmdan Al Nahyan, Neffe des Staatspräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, interessierte sich sehr für unsere Sportgeräte. Was Dirk ihm natürlich gerne perfekt erklärte. Souverän!
Nach dem Essen mussten wir uns noch einmal richtig abhetzen. Nach einer Katzenwäsche wurden wir mit Bussen abgeholt und ins 5-Sterne-Hotel „Le Mercure“ zum Gala-Abend gefahren – auf 1.000 Metern Höhe! Dort waren sämtliche Honoratioren der Oasenstadt versammelt und für alle Sportlerdelegationen gab es wertvolle und sehr schöne Erinnerungsgeschenke. Bernd erhielt dann auch noch seine Medaille – die hatten ihn vorher bei der Siegerehrung schlicht vergessen. Übrigens, ihr wärt neidisch geworden, hättet ihr nur das orientalische Buffet gesehen. Lecker!
Tag 5:
Nach einer ausgiebigen Renn-Nachbesprechung, die bis ca. 05:00 Uhr früh andauerte, kam unsere Truppe heute nur langsam in Gang. Bei unserem ausgedehnten Mittagessen mit arabischen Leckereien hatte natürlich jeder noch etwas zum Rennen zu erzählen. Danach ging’s wieder mit Polizeieskorte zum Training auf die Straße – für die Einheimischen wahrscheinlich längst ein gewohnter Anblick. Übrigens sind wir alle bereits nach wenigen Tagen restlos begeistert von den hervorragenden Straßen, dem perfekten Begleitservice durch die hiesige Polizei und vor allem von den hilfsbereiten und freundlichen Menschen hier. Im Vergleich zu gestern fuhren wir fast schon gemütlich unsere 65 Trainingskilometer bei herrlichen 21 Grad (= viel zu kalt für diese Jahreszeit, meint Ali) und leichtem Wind (= der uns wieder mal den Sand zwischen den Zähnen knirschen ließ). Um 18:00 Uhr ging’s dann wieder zurück ins Trainingscamp. Danach standen nur noch Duschen und leckeres Abendessen auf dem Programm. Heute ging’s mal etwas früher ins Bett. Kann ja nicht immer 1001 Nacht sein…
Tag 6:
Im Verlauf unserer gestrigen Renn-Nachbesprechung kam morgens so gegen 04:45 Uhr der Gedanke auf, den Berg vor der Haustüre zu bezwingen. Die Strecke kannten wir ja schon von unserer Busfahrt zum Hotel „Le Mercure“ vom Abend vorher. Noch voller Adrenalin erklärten wir die Anfahrt zum Hotel hoch zur etwas anspruchsvolleren Flachlandfahrt. Somit war schnell die Parole für Tag 6 klar: „Der Berg ruft“. In Begleitung des Handbike-Lokalmatadors Ali Alsaadi machten wir uns an den Aufstieg – natürlich wie immer begleitet von der Polizei und unserem freundlichen und stets hilfsbereiten Organisationstalents Ali Mohammed Al Shammari. Schnell fand jeder seinen eigenen Rhythmus. Da die Straße auf den Berg hoch ausnahmsweise nur 3 Fahrspuren hatte, konnten „leider“ nicht alle mit. Nach mehrmaligem Durchzählen der Freiwilligen blieben schließlich noch Andrea, Bernd, Markus, Errol, Heinz und Ali Alsaadi übrig. Anfangs gingen die 6 Bergziegen die Aufgabe noch voller Elan an. 1.235 Höhenmeter auf 12 Kilometer Straßenlänge – am Fuße des Berges herrschten noch 16 Grad, auf dem Gipfel waren’s dann nur noch frostige 7 Grad Celsius bei äußerst frischem Wind. Ali Mohammed, unsere gute Seele, meinte, dies ist der kälteste Tag in den Emiraten seit über 20 Jahren (= normal sind zu dieser Jahreszeit 35 Grad). Nach kurzer Zeit fiel die Gruppe auseinander und Heinz konnte an seine früheren Tage als Berglaufspezialist erinnern. Er genoss es geradezu, dem Feld zu enteilen. Bernd hatte als Entschuldigung, er habe leider die falsche Übersetzung gewählt. Andrea – in gewohnter Weise stark – konnte es sich sogar erlauben, unterwegs für Erinnerungsfotos anzuhalten. Und am Ende des Tages ergab sich folgende Tageswertung: Heinz 1:28, Andrea 1:36, Markus 1:41, Bernd 1:41:01, Ali 1:41:59, Errol 1:59:59, Besenwagen 2:00:00. Nach einer kurzen Pause, bei der die Handbikes auf Pickups verladen wurden, genossen Heinz und Errol eine spektakuläre Abfahrt – nur unterbrochen von 2 Zwangspausen, um die glühenden Bremsscheiben abzukühlen. Ali Mohammed hatte teilweise das blanke Entsetzen in den Augen. Somit haben wir auch sichergestellt, dass das heutige Ereignis hier noch lange Gesprächsthema sein wird. Einzigartig!
Der anwesende Herausgeber der Tageszeitung „Al Ain News“, Ramadan Ben Amer, war übrigens so begeistert, dass er später unbedingt einmal selbst hinter die Kurbel wollte. Jetzt sind wir natürlich schon sehr auf seine Berichterstattung in der lokalen Presse gespannt.
Tag 7:
Nach unserem gestrigen Gipfelsturm auf das Jebel Hafeet Gebirge direkt vor der Haustür (das war der Berg mit dem Luxushotel, in dem unser Gala-Abend nach dem Rennen stattfand) stand für heute wieder eine „ganz normale“ Flachlandfahrt auf unserem täglichen Trainingsprogramm. Ab heute fahren wir übrigens mit der hiesigen Landesfahne an den Handbikes umher. Wir wollen ja nicht nur Rennen gewinnen, sondern auch die Herzen der Menschen. Mit dabei waren auch Robert Nowicki aus Polen sowie die beiden lokalen Handbike-Sportler Ali Alsaadi – der gestern übrigens als erster Emirati überhaupt mit dem Handbike auf den höchsten Berg der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fuhr – und Saeed Almehri, den ihr noch von unserem Tag 4 her kennen müsstet, als er in einem unserer Sopur-Handbikes Probe saß. Und heute fuhr er zum ersten Mal unser Training in einem solchen Handbike mit. Wahrscheinlich konnte man seine immer wieder ausgestoßenen Freudenjuchzer über das völlig neue Fahrgefühl und das erreichte Tempo noch bis Abu Dhabi hören. Unterwegs hielten wir zweimal an für Pinkelpausen und um Feinheiten an den Bikes zu justieren. Die Strecke war heute um einiges abwechslungsreicher als der mühsame Aufstieg von gestern, bei dem es immer nur in kleinen Gängen den Berg hoch ging. Wir fuhren wieder diese sechsspurigen Prachtboulevards entlang, die vom Straßenbelag her zum Handbiken einfach gigantisch sind. Außerdem hatten wir noch etwas fürs Auge, weil der komplette Mittelstreifen mit Palmen begrünt ist und jeder dieser riesigen Kreisverkehre anders dekoriert und somit abwechslungsreich ist. Im Flachland konnten wir endlich mal wieder auf Ausdauer fahren. Zwischendurch legten wir zum Schrecken von Ali Mohammed im Begleitfahrzeug und der Polizei zweimal unsere schnellen Sprints hin. Unsere Helfer hatten dann jedes Mal alle Hände voll zu tun, uns wieder „einzufangen“. So ist das nun mal, wenn man wilde Pferde los lässt…
Natürlich testeten wir heute auch taktisches Fahren auf der Strecke, zum Beispiel Abwechseln innerhalb des Teams, Abschirmen bestimmter Fahrer und natürlich auch unsere ganz speziellen Team-Tricks und Kniffe. Als wir so gegen 12:30 Uhr wieder zurück im Trainingslager waren, sagte uns Ali Mohammed, dass die Polizei noch bis 15:00 Uhr für uns Zeit habe. Wir also kurz etwas getrunken, ein paar Power-Riegel hinuntergeschlungen – Mittagessen fiel somit aus – und ab ging es zum 2. Trainingslauf. Inzwischen haben sich wahrscheinlich schon die meisten Einwohner der Wüstenoase Al-Ain an unseren Anblick gewöhnt, wenn wir im Konvoi mit unseren Handbikes vorbeirauschen. Manche bleiben jedoch immer noch mit offenem Mund stehen und starren uns an, als kämen wir direkt von einem anderen Stern. Sogar die wenigen komplett verhüllten arabischen Frauen in ihren Burkas schauen uns neugierig nach, einige manchmal wohl etwas länger als ihren Ehemännern lieb war. Wir fuhren also wieder die altbekannte Kurzstrecke entlang, an der der Wüstenwind besonders stark bläst. Für das erneute Haut-Peeling mit feinstem, garantiert echtem Wüstensand würden wahrscheinlich zuhause Frauen viel Geld im Schönheitssalon bezahlen. Wir bekommen es gratis. Aber in dieser unbeschreiblich schönen Natur trainieren zu dürfen, das lässt einem schon sehr viel aushalten. Insgesamt kamen wir heute auch wieder auf ca. 85 Trainingskilometer. Übrigens musste unser Torben heute komplett aussetzen, da er sich einen mächtigen Schnupfen geholt hat – und das alles ohne Schnee und Minusgrade! Abends machten wir, d.h. Thomas, Winni, Markus, Heinz, Andrea, Bernd, Dirk, unser polnischer Kollege und ich dann auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen noch einen Ausflug in den Zoo von Al-Ain, übrigens der größte im gesamten Nahen Osten. Auch dort sorgten wir – obwohl inzwischen ohne Handbike unterwegs – für nicht gerade unerhebliches Aufsehen. Am Abend gab es dann noch eine Teambesprechung und so gegen 23:15 Uhr war dann der Tag endlich zu Ende. Bei den meisten war zwar der Sand aus den Haaren gewaschen, aber mittlerweile wohl in die Augen gestreut worden. Auch Helden brauchen nun mal ihren Schönheitsschlaf…
Tag 8:
Heute hieß für das Sopur-Team die Parole „Erholung“. Torben kämpft immer noch mit seiner Erkältung und blieb im Camp. Die 3 Unentwegten Heinz, Markus und Vico waren locker mit den Handbikes unterwegs und haben neue Strecken fürs Team erkundet. Der Rest durfte heute mal Luxus pur erleben. Nicht nur wurden wir ins Elternhaus von unserem Ali Mohammed Shammeri eingeladen, sondern wir machten auch eine Klassenfahrt ans Meer nach Dubai. Wir fuhren die 165 Kilometer mit dem Minibus – Fahrer und Reiseführer in einer Person war Ali Mohammed. Und die Bilder des heutigen Tages sprechen für sich…
Tag 9:
Heute haben wir die neue Rennstrecke ausprobiert, die Heinz, Markus & Vico für uns gestern ausgekundschaftet hatten. Die Straße ist wie immer perfekt gewesen und so konnten wir bequem unsere 100 Trainingskilometer herunterreißen, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 31 km/h. Teilweise fuhren die Jungs so dicht hintereinander, dass es so aussah, als schlängelt sich ein großer Lindwurm über die Straßen. Und das Wetter hier in den Emiraten ist für uns zum Trainieren geradezu perfekt: angenehme 26 Grad, leichter Wind, immer Sonne – und das mitten im Winter! Irgendwie schaudert es uns schon vor dem Rückflug, weil wir zuhause sicher deutlich mieseres Wetter haben werden. Auch die stets freundlichen Polizisten, die uns mit ihren Fahrzeugen im Verkehr abschirmen, hatten sichtlich ihren Spaß. Und Ali Mohammed war natürlich wie immer im Führungsfahrzeug dabei. Meist telefoniert er dabei schon wieder mit den verschiedensten Leuten, um für uns etwas zu organisieren, während er mit der anderen Hand lenkt und gleichzeitig mit seinem riesigen Geländewagen elegant auf die nächste Kreuzung zufährt, um diese für den nachfolgenden Verkehr zu sperren. Torben hat sich inzwischen wieder etwas von seiner Erkältung erholt, wollte aber noch nicht mit den anderen um die Wette fahren. Deshalb drehte er seine Runden auf dem ausgedehnten Hotelgelände. Und für unsere gute (Mechaniker-)Seele Ralf war auch endlich mal genügend Zeit für seine Reparaturen. Sonst muss er ja oft entweder früh morgens oder noch kurz vor der Nachtruhe Kleinigkeiten beheben. Heute hatte er sich eine echte „Open-Air-Werkstatt“ direkt vor seinem Bungalow aufgebaut. Die vorbeifahrenden Emiratis zeigten sich jedes Mal sehr interessiert und einer fuhr fast auf unsere Mülltonne. Nebenbei hatten wir noch genügend Zeit, um an technischen Neuheiten zu basteln – wie z.B. an einem wüstentauglichen Rollstuhl. Mittags fuhren wir dann nach Al Ain-City, um die Ursprünge der Oasenstadt zu besichtigen. Dort gibt es ein altes Fort, das man vor 150 Jahren zum Schutz der durchziehenden Karawanen und der Bewohner gebaut hatte. Heute existieren immer noch 10 Forts in und um Al Ain. Direkt neben dem Fort gibt es so eine Art Heimatmuseum, in dem wir von den netten Angestellten herumgeführt wurden, Tee tranken und allerlei Interessantes erklärt bekamen. Danach ging’s wieder zurück ins Trainingscamp und wir haben schon mal ganz langsam angefangen, die ersten Koffer zu packen. Aber nur ganz langsam…
Tag 10:
Unser letzter Tag im Trainingscamp Al-Ain. Wir haben uns deshalb für eine Mischung aus Arbeit und Vergnügen entschieden. Heute morgen übergab Errol ein Sopur-Handbike samt Zubehörteilen als Geschenk an Tarek Souei für den „Al Ain Club For The Disabled“. Handbiken ist in den arabischen Ländern zwar noch eine recht junge Sportart, aber schwer im Kommen. Danach stand Mannschaftstraining auf dem Tagesprogramm. Zum Abschluss unserer Trainingswoche war noch einmal das gesamte Sopur-Team angetreten. Auf dem Programm stand Fahren im Team und Wechseln als Team. Dafür waren noch einmal 100 Trainingskilometer angesetzt. Für die abgesprochenen Trainingsinhalte waren zehn Runden à 10 Kilometer die ideale Voraussetzung. Und für die letzten gefahrenen 10 Kilometer hieß die zuvor ausgegebene Parole „Minimum 38er Schnitt“. Nach Auswertung unserer Bordcomputer stellte sich sogar eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,8 km/h heraus. Fazit: Planen, Verstehen, Umsetzen, Erfolg haben!“ Am Nachmittag tauschten wir dann unsere 3 Räder gegen 4 Räder aus. Mit Quads haben die Jungs dann den Wüstensand durchpflügt, nach dem Motto „Raus aus dem Bike, ’rein in den Sand“. Die Rennstallorder, was das Formationsfahren angeht, war natürlich aufgehoben und wir hatten freies Training. Die Aktion hat noch einmal für richtig viel Spaß und Entspannung gesorgt. Am Abend waren dann aber auch alle so richtig platt.
Tag 11:
So, heute soll es nun also wieder in Richtung Heimat gehen. Nach und nach werden auch die aktuellen Schauermeldungen aus der Heimat über die Temperaturen, welche uns per SMS erreichten, innerhalb des Teams ausgetauscht. So richtig Lust, die 26 Grad hier gegen winterliche Kälte daheim einzutauschen, hat keiner von uns. Naja, auch das schönste Trainingscamp geht einmal zu Ende. Und heute sollte sich auch noch einiges ereignen. Ali Mohammed zum Beispiel fährt von heute an mit seinem Geländewagen für uns Reklame in den Emiraten. Danach haben wir unsere bei den Flughafenangestellten inzwischen wohl ziemlich berüchtigten Monsterkartons mit den Handbikes und dem Werkzeug verpackt. Danach hieß es Abschied nehmen von unseren lieb gewonnenen neuen arabischen Freunden. Vor allem Ali Mohammed wird uns ziemlich fehlen. Unser Flieger startet spät heute Nacht um 02:45 Uhr, aber wir wollten die Zeit bis dahin noch etwas touristisch nutzen. Bereits um 14:45 Uhr fuhren wir deshalb nach Abu Dhabi, wo wir schon von Thomas Pape, der dort als GTZ-Abgesandter für den Scheich von Abu Dhabi arbeitet, erwartet wurden. Thomas erzählte uns allerhand Interessantes über das tägliche Leben in dieser faszinierenden Millionenstadt, während wir uns auf der wirklich prachtvollen Uferpromenade direkt am Persischen Golf entlang bewegten. Ein letztes Mal freuten wir uns über den Anblick der zahlreichen riesigen Dattelpalmen, was man ja so nicht alle Tage zu sehen bekommt. Höhepunkt unseres Aufenthalts war aber der anschließende Besuch im einem der teuersten Hotel der Welt, dem Emirates Palace. Thomas von der GTZ hatte dafür gesorgt, dass wir einen offiziellen Besichtigungstermin bekamen. Und so fuhren wir zwischen Rolls Royces und anderen Nobelkarossen elegant mit unserem weißen Nissan-Bus vor. Man empfing uns tatsächlich fast schon wie Filmstars und das anwesende Management begrüßte jeden Einzelnen mit Handschlag. Am meisten freute uns, dass einer der Manager des Hotels schon mehrfach am Berlin Marathon teilgenommen hatte und besonders Heinz aus unserem Team kannte. Wir bekamen eine anderthalbstündige Exklusivführung durch den Prachtbau und saßen danach sogar am Hoteleigenen Privatstrand in einem der Pavillons und bekamen Espresso kredenzt. Danach ging’s ab ins hauseigene Restaurant, wo bereits eine Festtafel auf uns wartete. Mit libanesischen Spezialitäten ließen wir den Abend ausklingen und machten uns auf zum Flughafen. Während der doch recht langen Wartezeit schwärmten wir immer noch von all dem Luxus, den ein Normalsterblicher wohl so nicht so schnell zu Gesicht bekommt. Es sei denn, er ist ein weltbekannter Handbiker…
Das Fazit unseres Trainingscamps Al-Ain: Wir haben in diesen knapp zwei Wochen wirklich verdammt viel erreicht. Unsere beiden neuen Teammitglieder Torben und Thomas (=nicht zu verwechseln mit Thomas aus Abu Dhabi) konnten wir bestens ins Team eingliedern. Da passen die beiden auch wirklich hin wie bestellt. Auch das Material ist genau richtig und wir haben natürlich einige kleinere Verbesserungen vornehmen können. Nach der Theorie kommt meist die Praxis. Und da konnten wir als Team neben zahlreichen taktischen Fahrübungen sehr viel Neues lernen, auch was das Miteinander angeht. Das gesamte Team präsentierte sich wie aus einem Guss und jeder unterstützte den anderen. Die von unserem Team-Chef Errol eingeschlagene Richtung hat sich bestätigt und wir sind auf dem richtigen Weg in die neue Saison 2008.
P.S.: Das gesamte Team Sopur gratuliert von Herzen Friedhelm Müller zum Geburtstag. Der war zwar schon letzte Woche, wir haben es aber nicht vergessen. Im Orient ticken einfach die Uhren anders :-)
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Daten und Fakten - Trainingscamp & Marathon Al Ain: Die Mannschaft: Oliver Allgeier, Die Leistung.9 Medaillen Die Dauer: 12 Tage Die Strecke:insgesamt 1.237 Trainingskilometer und 21,0975 Rennkilometer Die Höhenmeter: 1.202 m auf das Jebel Hafeet Gebirge Die Höhepunkte:Dubai, Abu Dhabi Die neuen Freunde:Ali Mohammed Al Shammeri, Tarek Souai, Ali Alsaadi, Saeed Almehri und viele andere Wir vom Team SOPUR möchten uns bei allen Handbikern und Sportinteressierten für die Aufmerksamkeit während der vergangenen Tage bedanken und hoffen, es war ein wenig abwechslungsreich für euch. Vor allem aber hoffen wir, damit vielen anderen Handbikern etwas Ansporn geben zu können. Unser ganz besonderer Dank gilt vor allem Jörn, der geduldig die vielen ankommenden Bilder und Zeilen von uns auf der Webseite platziert hat und so auf den Handbikesport aufmerksam macht. Wir freuen uns schon aufs nächste Mal. |
Fred-Oluf Rheinschmidt www.ccr-media.de