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Trainingslager der Schule Elfenwiese auf Sylt 2007
Dorothee Vieth
Trainingslager der Handbike-AG auf Sylt

Sept.2007 - Und wieder mal eine super Abwechslung zum tristen Trainingsalltag: Im Trainingslager mit der Handbike-AG der Schule Elfenwiese. Kennen gelernt hatten wir uns schon im Frühsommer, da gab es ein erstes gemeinsames Training der Handbike-AG mit den Handbikern Torben, Jörn und mir von der Trainingsgruppe Hamburg. Nun war die Handbike-AG im Trainingslager auf Sylt (Di., 18.9.07 bis Fr., 21.9.07), und ich war gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, zum gemeinsamen Training dazu zu kommen. Was für eine Frage, natürlich!

Mein Bike war schon im Materialwagen der Schüler mitgefahren, und so konnte ich am Mittwoch Nachmittag bequem mit der Bahn anreisen. Pünktlich zum Abendbrot traf ich ein, und kriegte gleich mit, dass eine ausgelassene Stimmung war. Als erstes habe ich mir noch mal von allen die Namen sagen lassen: Jaqueline, Helena, Akuah, Timm, David, Felix, und dazu als Betreuer Karen Manthey, Christiane Weinert und Michael Gäbel. Dann habe auch ich mit Appetit bei dem guten Essen zugelangt und habe mir vom Tag erzählen lassen.

Angeregt und unterstützt wurde das Trainingslager vom Reha-Team-Hamburg. Und die waren am Mittwoch gleich mit drei Mann angerückt, um mit der Gruppe zu trainieren, Clemens, Alex und Daniel. Man fuhr auf einen großen Parkplatz, dort wurde mit Hütchen ein Parcours aufgebaut, und dann übten alle Fahrtechnik: Kurven fahren, bremsen, Windschattenfahren und was man sonst noch so können muss. Alle waren mit Eifer dabei und zeigten, dass sie ihr Bike schon gut beherrschen. Nur Herr Gäbel, der wohl meinte, Handbikefahren könne man mal so eben, kippte in der Kurve um. Danach hat er ein Bike nur noch zum Verladen ins Auto angefasst, und ist lieber beim Zweiradfahren geblieben. Am Nachmittag stand Theorie auf dem Programm. Clemens informierte die Schüler über die Vorteile von Funktionskleidung beim Sport und über Sportlerernährung. Dass er das gut gemacht haben muss merkte ich daran, dass beim Abendessen alles, was auf dem Tisch stand ausführlich kommentiert und bewertet wurde.

Nach dem Abendessen kamen dann die drei Reha-Teamler noch mal vorbei. Daniel sah sehr blass aus. Was war passiert? Das Reha-Team hatte für Felix ein Racebike mitgebracht, und Daniel hatte (leichtsinnig) angeboten, mit ihm eine Runde zu drehen. Er schnappte sich eins der Adaptivbikes und los ging’s. Als die beiden wiederkamen, soll er nur noch einen Satz über die Lippen gebracht haben: Das ist Hulk! Aber in der netten Gesellschaft der Gruppe kehrte auch Daniels Gesichtsfarbe schnell zurück und gemeinsam wurden Fotos vom Tag angekuckt. Nachdem sich Clemens, Alex und Daniel verabschiedet hatten, wurde zum Ausklang des Tages noch etwas gekickert und dann gingen alle schlafen.

Nachdem es in der Nacht geregnet hatte wie nichts gutes, beruhigte sich der Himmel während des Frühstücks zum Glück und es blieb nur ein heftiger Wind. Wir bildeten zwei Gruppen: Eine Gruppe fuhr mit dem Auto nach Westerland, um dort auf der Promenade Slalom unter Alltagsbedingungen zu üben. Felix, Timm, Herr Gäbel und ich nahmen den Weg per Bike bzw. Fahrrad in Angriff. Da wir Rückenwind hatten, schafften wir es gerade eben, bis zum einsetzenden Regen den verabredeten Treffpunkt unter einem schützenden Dach auf der Promenade zu erreichen. Die Regenzeit wurde zum allgemeinen Klogang genutzt, danach ging es in die Fußgängerzone. Während wir Erwachsenen uns einen schönen Cappucino gegönnt haben, hat Akuah allein in der Shoppingmeile noch mal vier (!) Kilometer abgespult.

Bevor es wieder zu regnen begann, machten wir uns auf den Rückweg. Was uns erwartete, war böser Gegenwind. Herr Gäbel hatte ein bisschen gehofft, dass das Timm im Adaptivbike abschrecken würde, und sie mit im warmen Auto zurück fahren könnten. Aber Timm ließ sich von nichts aufhalten. Er hatte vom Reha-Team ein richtig gutes Bike mitgebracht bekommen, und das verlieh ihm Flügel. Dass Felix und ich radeln wollten, stand außer Frage. Mit einem Racebike hat man viel bessere Chancen gegen den Wind als mit einem Adaptivbike. Deswegen trennten wir uns am Ortseingang auch gleich von den beiden anderen, damit auch wir beide uns ein bisschen austoben konnten. Der Regen setzte gemeinerweise 13 Minuten später ein. Natürlich gab es dort, wo wir gerade waren, keinerlei Unterstellmöglichkeit. So blieb uns nichts anderes übrig, als weiter zu radeln. Da wir aber Regenjacken anhatten, fand zumindest ich das nicht so schlimm (Felix schwieg sich dazu aus.). Gleichzeitig mit allen andern trafen wir an unserem Haus ein. Jetzt war für Felix und mich nur wichtig, schnell aus dem Bike raus zu kommen und trockene Klamotten anzuziehen. Tim und Herr Gäbel waren vernünftig und hatten sich unterwegs von der Autogruppe einsammeln lassen. Den Rest des Nachmittags bis zum Abendessen machte jeder, was er wollte. Oder musste: Für mich hieß das, wieder raus in den Regen und noch zweieinhalb Stunden radeln.

Die für den Abend angesetzte Trainingseinheit fiel dem Regen zum Opfer. Stattdessen ergab sich spontan eine Rollstuhltrainingseinheit rund um Stufen und Schrägen, wie sie eigentlich jedes Haus zu bieten hat. Hier waren alle beeindruckt von Felix’ Können. Anschließend, zum Abschluss des Trainingslagers, machten wir ein Kickerturnier, an dem alle teilnahmen. Alle Teams konnten mindestens ein Spiel gewinnen, kein Team kam ohne Niederlage durch das Turnier. David führte dabei erfolgreich eine bis dato nicht gekannte revolutionäre Kurbeltechnik vor, die sofort andere Schüler nachzumachen versuchten. In der Regel aber erfolglos. Bei meiner Partnerin Helena zum Beispiel führte der Versuch zu einer Häufung von Eigentoren. Als sie wieder zur alten Technik zurückkehrte, konnte sie auch gleich wieder so manchen Ball im fremden Tor versenken und uns damit zu unserem einzigen Sieg verhelfen. Das Siegerpaar war eine Überraschung: Jaqueline und Herr Gäbel.

Nach einer kurzen Nacht musste am nächsten Morgen nur noch das Kunststück fertig gebracht werden, mehr Gepäck, als eigentlich möglich, im Auto unterzubringen. Aber auch dies gelang, und so konnte die Gruppe pünktlich die Rückreise antreten. Ich hatte das Glück, über’s Wochenende noch auf Sylt bleiben zu können. Für mich zum Trainieren ist Sylt nicht ideal (ich brauche etwas mehr Auslauf und etwas weniger Touristen auf dem Radweg), aber mein Eindruck ist, dass es für die Handbike-AG hier goldrichtig war: Flaches Terrain, die Möglichkeit einen oder vierzig Kilometer zu fahren, ein Haus, wo die Bikes ohne Mühe Platz finden und…ein Kicker!

Ich bin schon gespannt, wie die Schüler aus der Gruppe am 2. Oktober beim Handbikerennen des Vattenfall-Schulcup im Altonaer Volkspark abschneiden werden. Trainiert haben sie jedenfalls.