Feb/März 2006 - Eigentlich wollte ich (Dorothee Vieth) im März ja zum Skifahren, und dann habe ich Anfang des Jahres nur kurz mit Adelbert telefoniert und dann wurde aus Wedeln mit dem Monoski Radeln auf Malle.
Hinter „Malle“ verbirgt sich die schöne Insel Mallorca mit den hässlichen Auswüchsen ihrer Hauptstadt Palma. Und hinter dem Namen Adelbert verbirgt sich der Kromer Adelbert, Nationaltrainer des Radteams des Deutschen Behindertensports, das für zwei Wochen im Trainingslager auf Mallorca in Magaluff war. Und dazu war ich eingeladen, um „gesichtet“ zu werden. Ich konnte erst zur zweiten Woche kommen, meine Freundin hatte zum Glück Lust mitzukommen, und damit sich der Aufwand lohnt, haben wir noch eine Woche drangehängt. Abgesehen davon, dass ich mich trainigsmäßig für Mallorcas Berge völlig unvorbereitet fühlte (obwohl ich mir doch extra eine Rolle zugelegt und diese auch benutzt habe), schien mir im Vorfeld das größte Problem die Verpackung des Handbikes für den Flug zu sein. Ich habe mich für die Variante mit der Kiste aus dem Baumarkt entschieden, es ging auch alles gut; aber so ein Bike ins Auto zu schieben geht doch irgendwie schneller. Obwohl man damit dann auch nicht so schnell auf Mallorca ist. Vor Ort kümmert sich Philipp’s Bike Team (www.radferien-mallorca.com) mit Guides, Mechaniker, Vorträgen und Tagesverpflegung um die Belange aller Radler.
Jeden Tag werden Touren für sieben verschiedene Geschwindigkeitsgruppen angeboten. Für mich war die Auswahl in der ersten Woche klar entschieden. Es waren außer mir zwölf Handbiker da, die in eigenen Gruppen fuhren, die Helden (ein Begriff, den Jörn auf Lanzarote geprägt hat) und die Enten. Natürlich bin ich gleich zur Ente mutiert, schließlich sollte ich meine Grundlagenausdauer trainieren. Das war aber selbst bei den Enten kein ganz einfaches Unterfangen, da alle bereits eine Woche Trainigsvorsprung hatten und wir im Westen der Insel waren, wo uns jede Tour unweigerlich in die Tramuntana führte. Lauter schöne bis traumhaft schöne Touren, aber so ein Gebirge bringt halt Pässe mit sich. Und da dann den Puls unten zu halten… Am letzten Tag der ersten Woche fuhr ich dann doch einmal mit den Helden. Die hatten sich am Vortag ausgetobt, wollten an ihrem letzten Tag gemütlich fahren, und die anderen Enten waren zu platt, um ihren Bürzel überhaupt noch mal ins Bike zu schwingen. Die erstaunlichste Erkenntnis: Bergauf hängen die Helden die Enten ab. Aber bergab haben die Enten den Schnabel vorn. Kam ich bei der Entengruppe unten an, waren die anderen immer schon am Kaffeetrinken; an den Helden konnte ich hingegen dranbleiben. Bergauf blieb den Helden Zeit und Luft zum Gucken und Unterhalten. Und so habe ich einige Tipps und Anregungen bekommen, wie ich mir das Bike noch besser einrichten kann und woran ich beim Kurbeln arbeiten sollte. Wie gut, dass ich noch eine Woche dableiben konnte, um an meiner Kurbeltechnik gleich zu arbeiten. Als einzige verbliebene Handbikerin bin ich in der zweiten Woche dann mit meiner Freundin zusammen in normalen Zweiradgruppen mitgefahren. Sie hatte die Guides schon vorgewarnt, dass da dann eine mitfährt, die bergauf immer etwas langsamer und bergab immer etwas schneller als die Zweiräder ist. Da Phillip nur nette Guides hat, war das gar kein Problem. Guide Werner hatte, wenn man es recht betrachtet, sogar Glück, dass ich in seiner Gruppe war. Außer mir fuhren mit ihm noch drei Radler. Und alle drei haben sie einmal den Asphalt aus nächster Nähe kennen gelernt. Da hatte er mit mir (dreirädrig, kippsicher) doch wenigstens eine, die nicht gestürzt ist. Wie hätte das denn sonst ausgesehen. Kontaktfreudig wie wir sind, hatten wir in Hamburg beim Anstehen zum Gepäckaufgeben gleich eine Reisebekanntschaft gemacht. Und mit denen haben wir uns einen Tag zum Radeln auf Höhe Ballermann 15 getroffen (Das ist ca. 15 km östlich von Palma, Magaluff ebenso weit westlich). Eine andere Radwelt. Einige Kilometer lang von der Küste weg sutche bergan und dann alles eben! Mein einziger Tag der zwei Wochen mit einer Pulsbilanz im absolut grünen Bereich. Aber auf Dauer fand ich das Fahren in den Bergen doch reizvoller.
Zum Schluss noch das Wort zum Wetter. Meine Begeisterung ist vorstellbar, als wir einen Tag vor Abflug nach Mallorca hörten, dass es dort geschneit hatte. War aber doch zum Glück eine einmalige Aktion. An unserem ersten Tag hat es dann allerdings unentwegt geregnet, ist auch nicht viel besser. Magaluff im Regen als erster Eindruck von Mallorca ist echt suboptimal. Aber danach blieb es trocken und wurde auch tendenziell wärmer. An einigen Tagen konnte man kurzärmelig auf der Plaza einen Kaffee trinken, an anderen war aber auch der Griff zu Handschuh und Halstuch angesagt. Der Verzicht aufs Skifahren zu Gunsten des Radelns hat sich gelohnt. Zum einen habe ich einen Teil der wirklich schönen Landschaft Mallorcas kennen gelernt. Zum andern hatte ich Gelegenheit zum Austausch mit anderen Handbikern, von denen ich bis dahin vielleicht ihren Namen wusste, aber ansonsten nur ihr Aussehen in Rennverkleidung mit Nummer auf dem Kopf kannte. Zudem weiß ich jetzt, welche Rennen in der kommenden Saison für mich wichtig sind.